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EPIC UI

·668 Wörter·4 min

Dieses Dokument beschreibt ausschließlich das Konzept eines UI-Systems zur konsistenten Gestaltung von Farben, Flächen-Hervorhebung und visueller Hierarchie. Es beschreibt bewusst keine Umsetzung.

EPIC besteht aus vier Pfeilern:

  • Emphasis und Prominence sind Konzepte der Darstellung (Nomen).
  • Interact und Consume sind Kategorien aus Sicht des Nutzers (Verben): Was macht der Nutzer mit dem, was er sieht?

Ziel
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Das System soll:

  • visuelle Hierarchie konsistent abbilden (Makro und Mikro)
  • Verschachtelung sauber unterstützen (Bereiche in Bereichen, Komponenten in Bereichen)
  • Komponenten einfach und portierbar halten (keine verstreute Systemlogik)
  • Bedeutung (Priorisierung) und Darstellung (Look) trennen

1) Emphasis (Makro-Hierarchie durch Fläche)
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Emphasis beschreibt, wie stark ein Bereich (Container, Abschnitt, Block) durch Fläche hervorgehoben wird.

  • Emphasis ordnet Bereiche gegeneinander: Welche Sektion oder Karte tritt aus der Umgebung hervor?
  • Emphasis wirkt „ambient“: Kinder befinden sich im Rahmen der Emphasis ihres Bereichs.

Wichtige Eigenschaften:

  • Scope: Bereich / Container / Abschnitt
  • Makro-Hierarchie: ordnet große Strukturen (Bereich vs Bereich)
  • Umgebungszustand: Eine Komponente innerhalb eines Bereichs mit emphasis=strong verhält sich so, als wäre emphasis=strong für sie lokal gesetzt.
  • Überschreibbar: Eine Komponente kann lokal eine andere Emphasis setzen und damit einen neuen Rahmen definieren.

Emphasis ist ordinal (Stufen), aber die konkrete visuelle Richtung (hell/dunkel) ist nicht Teil der Bedeutung.


2) Prominence (Mikro-Hierarchie durch Priorisierung)
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Prominence beschreibt, wie stark ein Element innerhalb seines aktuellen Bereichs hervortritt.

  • Prominence ordnet Optionen innerhalb eines Bereichs: Welche Handlung oder Information ist wichtiger als Alternativen?
  • Prominence ist besonders relevant, wenn Elemente konkurrieren:
    • zwei Buttons nebeneinander
    • Button vs Link (beides sind Handlungsoptionen)
    • mehrere Links oder Optionen in einer Gruppe

Wichtige Eigenschaften:

  • Scope: Element
  • Mikro-Hierarchie: ordnet Elemente innerhalb eines Bereichs (Option vs Option)
  • Lokal, nicht vererbend: Eine Komponente in einem Parent mit prominence=high verhält sich so, als wäre für sie prominence=normal gesetzt (Prominence „kriecht“ nicht nach unten).
  • Relativ: Prominence ist eine Priorisierung im Vergleich zu Alternativen im selben Kontext, nicht eine absolute Eigenschaft.

Prominence ist ein Darstellungskonzept: Es beschreibt, wie stark etwas visuell hervortritt, ohne festzulegen, wie (z.B. Farbe, Gewicht, Rahmen).


3) Interact (Nutzer interagiert)
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Interact beschreibt die Kategorie von Elementen, mit denen der Nutzer interagiert.

  • Beispiele: Buttons, Links, Inputs, Tabs, Toggles, Chips
  • Interact-Elemente sollen klar erkennbar sein und ihre Prominence besonders gut ausdrücken können, weil sie häufig konkurrierende Handlungsoptionen darstellen.

Interact beschreibt keine Optik, sondern den Nutzungszweck: „Der Nutzer kann hier handeln“.


4) Consume (Nutzer konsumiert)
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Consume beschreibt die Kategorie von Elementen, die der Nutzer konsumiert (wahrnimmt, liest, versteht).

  • Beispiele: Text, Überschriften, Beschreibungen, Listen, Hinweise, Metadaten, Karteninhalt
  • Consume-Elemente müssen primär gut lesbar und strukturiert sein. Prominence wird hier oft genutzt, um Lesefluss und Gewichtung zu steuern (z.B. Nebeninfo vs Kernaussage).

Consume beschreibt keine Optik, sondern den Nutzungszweck: „Der Nutzer nimmt Information auf“.


Zusammenspiel der vier Pfeiler
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Emphasis setzt den Rahmen, Prominence priorisiert im Rahmen
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  • Emphasis erzeugt Makro-Hierarchie (Bereiche).
  • Prominence erzeugt Mikro-Hierarchie (Optionen innerhalb eines Bereichs).

Interact und Consume sind Kategorien, die Prominence unterschiedlich nutzen
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  • Interact-Elemente nutzen Prominence oft zur Priorisierung von Handlungen.
  • Consume-Elemente nutzen Prominence oft zur Gewichtung von Information.

Scope-Regeln (entscheidend)
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  • Emphasis wirkt als Umgebungszustand: innerhalb eines Bereichs gilt die gleiche Emphasis, bis sie lokal überschrieben wird.
  • Prominence ist lokal: Prominence am Parent macht Kinder nicht automatisch prominenter; Kinder starten implizit auf „normal“.

Variant (Farbwelt) als Grundlage
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Das EPIC-Modell benötigt eine Farbwelt als Basis:

  • Variant wählt die Palette (z.B. neutral, primary, accent, success, danger, alert)
  • Variant beantwortet: Welche Farbwelt?

Variant ist unabhängig von EPIC, wird aber verwendet, um Emphasis und Prominence visuell auszudrücken.


Variant-Policy: Theme vs Status (Guardrail)
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Varianten können unterschiedliche Rollen haben:

Theme-Varianten
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Für Bereiche/Flächen geeignet (z.B. neutral, primary, optional accent).

Status-Varianten
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Für Signale und Akzente geeignet (z.B. success, danger, alert), typischerweise innerhalb neutraler Flächen.

Policy:

  • Status-Varianten werden bevorzugt für Prominence von Interact- oder Consume-Elementen genutzt, nicht als flächige Emphasis eines ganzen Bereichs.

Diese Policy ist ein Guardrail, kein Dogma: Ausnahmen sind möglich, sollen aber bewusst sein.


Merksätze
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  • Emphasis ordnet Bereiche (Makro-Hierarchie).
  • Prominence ordnet Optionen und Gewichtung innerhalb eines Bereichs (Mikro-Hierarchie).
  • Nutzer Consume Information und Interact mit Handlungsoptionen.
  • Komponenten bleiben portierbar, wenn sie EPIC als Konzept respektieren: Emphasis als Rahmen, Prominence als lokale Priorisierung.